Winter in Lindenau

Nach der überraschenderweise nicht eingetretenen Apokalypse ist es wieder soweit – der Winter zeigt sich von seiner schneeweißen Seite und auch in Lindenau hat die weiße Pracht Einzug gehalten. Jetzt, ein paar gute Tage nach dem ersten Schneefall hat sich des Winters Weiß dem ergrauten Antlitz des Viertels angeglichen, dennoch bleibt genügend Potential, um den Kinder-Winterfreuden auch im hohen Erwachsenenalter nachzukommen. Doch wohin soll es gehen im Flachland Leipzig – und vor allem, hat Lindenau einen angemessenen Spaßbeitrag beizusteuern?
Die Frage kann definitiv mit einem klaren JA beantwortet werden. Schon aus glücklichen sozialistischen Kindertagen, an denen zumindest Schneeballschlachten und Schlittenfahrten noch nicht zur Gefährdung der Staatssicherheit beitrugen, kann ich mich an diverse Schneefahrten im Leipziger Westen erinnern. Besonders ein Platz ist mir dabei in liebevoller Erinnerung geblieben und verdient somit eine würdige Erwähnung in diesem Blog.
Für diesen verborgenen Rodelplatz, um den sich die Gemüter streiten und der vor allem von nicht-Einheimischen stets belächelt wird, begeben wir uns wieder ins Grenzgebiet zu Plagwitz, zum Karl-Heine-Platz 1 – unter Einheimischen auch als guter alter Knochenplatz bekannt. Jener Ort wurde nun schon aufgrund diverser Begebenheiten in diesem Blog erwähnt und so freut es mich, ihm eine weitere Bedeutung zukommen zu lassen.
Betrachtet man eben jenen Knochenplatz im Detail, so findet man neben altbekannten Spieltürmen oder der ominösen namenlosen Statue einen kleinen, zunächst unscheinbaren Hügel. Für unerfahrene Lindenauer oder auch Ortsfremde mag diese Anhöhe keine außerordentlichen Assoziationen erwecken, doch aus Kindheitstagen kann ich mich an fidele und aufregende Rodelfahrten mit dem nostalgischen Holzschlitten von genau jenem Hügel erinnern. Für den erwachsenen Betrachter so unscheinbar harmlos – mit Kinderaugen eine abenteuerliche Abwärtsfahrt vom Todesberg des Knochenplatzes. – Und auch jetzt, wenn es mich an diesen eisigen Tagen in jene Grenzregion Lindenaus zieht, kann ich es genau beobachten: Die Zukunft Lindenaus in ihren – dem grauen Antlitz entgegenstehenden – farbenfrohen Schneeanzügen, ausgiebig die Schlittenfahrt auf dem Knochenplatz genießend, mit dem unstillbaren Verlangen nach einem neuen Abenteuer auf eben jenem Todeshügel. Stolze Mütter, lachende Kinder – mir wird warm ums Herz und so ziehe ich gedankenverloren an eigene gelöste Tage weiter und danke dir, oh Lindenau, für gegenwärtige und vergangene prägende Stunden.

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