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Integration

Als heute morgen um, kurz vor zehn, mein Blick in die Kaffeedose ins Leere fiel war schnell zu handeln. Folglich habe ich mir nur schnell ne Jacke übergeworfen und bin ansonsten, bekleidet in Jogginghose und Hausschuhen raus ausem Haus. Meine Intention war, grad zum Späti gegenüber, der wird mir schon ein Pfund Kaffee verkaufen. Aber, wieso heißt der Späti Späti? Weil es ein Spätverkauf und kein Frühverkauf ist. Laden verschlossen. So ein Scheiß, als runter zum Lindenauer Markt. Als ich so bekleidet mit einer Winterjacke, ner ausgelatschten Jogginghose und meinen Hausschlappen den Lindenauer Markt überquerte spürte ich es sofort, auch meine verquollenen Augen und Gedanken konnte das Gefühl nicht trüben. Zum ersten mal begutachteten mich keine geschätzten 10 gefühlten 100 Augenpaare als ich mir den Weg in Richtung DM suche. Ein Hoch auf die Jogginghose-Yes now i am oficially part of it.-Es ist also endlich bewiesen…Kleider machen Leute

Großbrief?-Päckchen! Rotkäppchen?-Sternie! Brötchen?-Mäusespeck!

Eine Woche wohnte ich in Lindenau. Einem sympathischen Wohnviertel, im aufstrebenden Stil. Hier gibts alles was man, pardon Frau braucht. Denke ich, doch es scheint, dass andere Menschen meines sozialen Umfeldes nicht ganz davon überzeugt sind, so erhielt ich zu meinem Geburtstag ein Westpaket. Nun, weswegen der Paketbote Zustellprobleme hatte bleibt mir bis heute ein Rätsel, aber, vielleicht liegt es ja in der Tatsache begründet, welche in der Überschrift bereits durchklingt, nämlich, dass regelmäßig mehr oder weniger viel Hundescheiße vor unserer Tür posiert und dem Paketboten den Zugang zu Klingeln bzw. dem Hauseingang verwehrt. Aber dies ist ein anderes Thema.

So erhielt ich vom örtlichen Postamt eine Nachricht, es liege ein Päckchen für mich zur Abholung bereit. Nun, traumhaft dachte ich mir, wie schön, ein Westpakte. Da man ja heutzutage rational arbeitet, denn Zeit ist bekanntlich Geld, machte ich noch schnell eine, meines Erachtens nach Briefsendung in künstlerischem Format fertig und dann nichts wie los zur Post. Ist ja schon kurz vor fünf und die haben ja nur bis um sechs auf, und wer weiß, was mir auf den 800 Metern Fußweg zum Postamt zustößt, und ich freue mich doch schon so auf das Westpaket.

So runter auf die Straße, rüber und um die Ecke rum, nach ca 15 Minuten langsamen Spaziergang bin ich am Ziel meiner Wahl angekommen. Und ich war begeistert, selten hatte ich ein Postamt mit solchem Charme und Ambiente erlebt. Das Interieur war eine Mischung aus, Schreibtisch mit Postbeamtin, Spätverkauf der quasi mehr aus Leergut als aus anderen Waren besteht und Gemischtwarenladen. Nun gut, da die eine Postbeamtin aufgrund der etwas beengten Raumverhältnisse und der lähmenden Vorfreude auf den Feierabend ein wenig überfordert wirkte musste ich, noch ein wenig auf den Erhalt meines Westpaktetes warten. Dieses sich auftuende Zeitfenster konnte ich, doch nutzen, um mich hier mal genau umzusehen, bzw Scene-Watching zu betreiben. Zunächst wurde meine Aufmerksamkeit auf die neben mir offen zum Verkauf dargebotenen Brötchen gelenkt. Kaum hatten meine Augen sie erspäht kam gleich ein weiterer Interessent, welcher mit bloßen Händen, vor Reinlichkeit nicht strahlend wie die Werbung des weißen Riesen, vier Teile Backwaren seiner Wahl aussuchte, nicht ohne jedoch alle anderen dabei zu berühren.

Gut, nur noch drei Leute vor mir, du wolltest ja in dem Laden nix essen dachte ich, sondern ein Päckchen abholen.

Da ich noch warten muss, schweift mein Blick zu Kasse des eigentlichen Ladens. An der Kasse steht ein (der ersten Erscheinung nach) gut situierter Familienvater, okay ein bisschen weniger Solarium hätte es auch getan, aber jeder nach seinem Wunsch. Er war in Begeleitung seiner schätzungsweise 7-Jährigen Tochter. “Vati” der die Kassiererin scheinbar schon länger zu seinem zumindest erweitereten Bekanntenkreis zählte legte die Waren auf das starre Warenbeförderungsband, nicht ohne jedes zu Kommentieren. Es scheint ein besonderer Tag zu sein, denn heute gab es “nen Rotkäppchen für da Mutti” und “für den Herrn des Hauses ein schönes kühles Bierchen” “achso und noch zwei Päckchen Rollies” (für unwissende das sind irgendwelche extrem billig Kippen). Bestens, der Abend ist gerettet würde ich sagen. Seine Tochter schien sich innerlich über den Hang zur Untertreibung ihres Vater zu freuen, denn der Rotkäppchen für Mutti war ne gestandenen 0,7er Flasche und das Bierchen für ihn maßen 3 satte 0,5er Sternburg Export. Super schien sich das Blonde bisher nicht in Erscheinung getretene Mädchen zu denken, “Vati ich will Mäuse”-rief sie und riss dabei, den am Ende der Kasse stehenden auf Kinderhändenhöhe plazierten Behälter weißer Hariboschaummäuse auf und griff mit beiden Händen geschätzte 10 der leblosen süßen Tierchen. “ne was machst denn du da”schrie Vati, “du darfst doch immer nur 2-leg die anderen zurück”. Enttäuscht der Tatsachen, das die Untertreibung bzw der Hang zu “maßvollem übermäßigem Konsum” offenbar nur für Respektspersonen, in diesem Fall Eltern, galt legte das Mädchen folgsam die verbleibenden geschätzten 8, bereits zerquetschen Mäuse zurück.

Soweit so gut dachte ich mir, scheint hier Gang und Gebe zu sein, dass man Speisen erstmal probehalten oder probebefühlen darf bevor man sich dafür entscheiden muss.

“Der NÄCHSTE BITTEEEE!” rief mich die zaghaft-bestimmte, freundlich-durchbohrende Stimme der Postbeamten zurück in die Realität. “Jaja das Päcken bitte”-wunderbar, nach 2 minuten hatte sie es gefunden, doch der äußere Zustand verhieß nichts Gutes, naja. “Achso ja und das hier muss noch weg bitte, geht doch als Großbrief?”-”Das als Großbrief?” wurde mir erwiedert “Wie haben sie sich das denn vorgestellt”. Na Briefmarke ruf und wech damit dachte ich mir. “Ne das geth nich, das mss als Päckchen” (Ach ja, was muss das denn als Päckchen???). Gut dann eben erstmal nicht, ich verließ letzten Endes um 17:30 den Ort des wundevollen Ambientes, erst als ich draußen war, fiel mir auf, dass der Geruch in dieser Location eher alkohol-lastig war. Nun ja, nix wie das Päckchen aufmachen, cool-Schaumzuckerware aus dem Westen-Deckel auf-die Hälfte war bereits jenseits der vorgesehen Form.

Nur gut, dass die Ware verpackt war, wer weiß, wer sonst schon ales Probegefühlt hätte. Anscheinend habe sich die Leute die mir das Geschickt haben doch was dabei gedacht.